Therapiemats als Screening – Wer schaut, sieht mehr


Das Wartezimmer riecht nach frischen Stiften und alten Zeitschriften. Auf dem kleinen Teppich in der Ecke sitzt ein Kind – vielleicht fünf – und sortiert Legosteine nach Farbe. Die Mutter füllt noch schnell den Anamnesebogen aus. Sie ist heute wegen ihrer Stimme hier. Schon seit Wochen heiser, stimmintensiver Beruf.

Das Kind sagt etwas. Zur Mutter. Dann nochmal.

Die Therapeutin, auf dem Weg zur Kaffeemaschine, bleibt kurz stehen.

Da war was.

Nicht dramatisch. Kein Alarm. Nur dieses leise Innehalten, das man nach ein paar Berufsjahren kennt. Ein Laut, der nicht ganz sitzt. Eine Silbe, die zweimal kommt. Ein Rhythmus, der einen halben Takt zu lang braucht.

Das Kind schaut hoch. Grinst. Hält einen blauen Legostein in die Höhe.

Und die Therapeutin denkt: Das müssten wir uns mal anschauen.

Eltern bringen oft mehr mit als sie wissen. Ein kurzer Fragebogen zur Sprachentwicklung – schon im Wartezimmer oder beim Erstgespräch – gibt erste Orientierung, bevor überhaupt ein Verdacht formuliert ist.

Anamnesebogen Pädiatrie (mats+)

von Natascha Kriegl zu Sprache, Artikulation, Kommunikation

Dieser strukturierte Anamnesebogen wurde speziell für die logopädische Arbeit im pädiatrischen Bereich entwickelt und ermöglicht eine ganzheitliche Erfassung sprachlicher, kommunikativer und orofazialer Fähigkeiten. Er umfasst zentrale Bereiche wie Sprachentwicklung, Aussprache, Mehrsprachigkeit, Hörstatus sowie Ess- und Schluckverhalten und Spielentwicklung. Zusätzlich unterstützt er die zielgerichtete Therapieplanung durch klar definierte Zielbereiche (Partizipation, Aktivität, Funktion) sowie die Einbindung elterlicher Anliegen.

Ansehen

Ein Screening hilft, die Befundung zu planen.

Schnell anwendbar, klar in der Aussage

Screenings passieren meistens zwischen Tür und Angel – im Elterngespräch über ein anderes Kind, beim dritten Satz einer Mutter, die eigentlich über sich selbst redet. Die geschulte Wahrnehmung hört zu, auch wenn sie gerade Pause hat. Kurzscreenings zur Artikulation zeigen auf einen Blick, welche Laute schon sicher sitzen und wo noch Luft nach oben ist.

Therapiemats von larilogo, Daniela Klippel

Was man sieht, wenn man genau hinschaut

Wer genauer hinschaut, beobachtet auch die Spontansprache – wie ein Kind erzählt, fragt, kommentiert. Nicht im Testformat, sondern so wie es sich gerade ergibt. Beobachtungsbögen helfen dabei, das Gesehene strukturiert festzuhalten. Und manchmal ist das Wichtigste daran, dass überhaupt jemand hinschaut – auch auf die phonologische Bewusstheit, die später für das Lesen- und Schreibenlernen so entscheidend sein wird.

SSTE-50 – Sprachstandserhebung durch Eltern zur Beurteilung des aktiven Wortschatzes von bilingualen Late Talkern

von JorgeVogt zu Sprache

Um der behandelnden Logopädin eine quantitative Einschätzung des aktiven Wortschatzes hinsichtlich der 50-Wort-Grenze zu ermöglichen, sollen die Eltern/Bezugspersonen alle Äußerungen ihres Kindes im Alltag notieren. Die SSTE-50 gibt bewusst keine Auswahlmenge vor. Zur Auswertung werden alle Wörter der Familiensprache und die der deutschen Sprache zusammengezählt. Wörter, die in beiden Sprachen vorkommen, werden nur einmal gezählt. Eine qualitative Auswertung ist nur eingeschränkt möglich. Betrachtet man die Ergebnisse hinsichtlich verwendeter Wortarten und…

Ansehen

Therapiemats von Julia Beck, Monika Metz, Gast

Die Mutter an diesem Tag war wegen ihrer Stimme da. → Mehr dazu im Muggelstein zur Stimmtherapie. Aber sie ist mit zwei Terminen nach Hause gegangen.

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