Therapiemats bei myofunktionellen Störungen – und warum weniger mehr ist


Die myofunktionelle Therapie ist eines der ältesten Arbeitsfelder der Logopädie. Sie ist komplex, sie ist faszinierend – und sie ist leider auch eines der Felder, auf dem sich besonders viel angesammelt hat, was dort eigentlich nichts zu suchen hat.

Zungenkraft-Geräte, Taping-Protokolle, Übungsprogramme die so alt sind wie ihre Erfinder und seitdem niemand mehr kritisch angeschaut hat. Der Markt für myofunktionelle Therapie ist voll davon. Und weil Eltern von Kindern mit offenem Mund, Schluckstörungen oder Zungenfehlern oft verzweifelt suchen, finden sie dort auch schnell Abnehmer.

Das ist kein Vorwurf an Kolleginnen und Kollegen – es ist ein Hinweis auf eine Landschaft, die dringend mehr Evidenzbewusstsein braucht.

Fangen wir also mit dem an, was wir wissen.

Was myofunktionelle Störungen eigentlich sind

Myofunktionelle Störungen betreffen das Zusammenspiel von Muskulatur, Haltung und Funktion im orofazialen Bereich. Zungenlage, Lippenschluss, Schluckmuster, Atemweg – das sind die echten Themen. Und die lassen sich nicht wegkleben, nicht wegtapen und nicht mit zehn Minuten Zungengymnastik am Tag lösen.

Was funktioniert, ist geduldige, strukturierte, alltagsintegrierte Therapie. Mit Material, das Kinder motiviert, und mit Übungen, die auf Funktion zielen – nicht auf Kraft.

Ein kurzes Wort zum Taping

Kinesio-Taping bei myofunktionellen Störungen ist in den letzten Jahren populär geworden. Es sieht professionell aus, Eltern sind beeindruckt, und Fotos davon performen gut auf Instagram.

Das Problem: Es gibt keine belastbare Evidenz dafür. Keine kontrollierten Studien, keine Wirksamkeitsnachweise, die einer ernsthaften Prüfung standhalten. Was bleibt, ist ein buntes Pflaster im Gesicht eines Kindes – und die Hoffnung, dass irgendetwas passiert.

Unsere Empfehlung: Zeit und Energie lieber in das stecken, was nachweislich wirkt.

Gute myofunktionelle Therapie braucht keine Gadgets. Sie braucht Geduld, Struktur und die richtigen Materialien.

Übungen für Lippen und Zunge

Der Klassiker – und zu Recht. Gezielte, funktionsorientierte Übungen für Lippenschluss, Zungenruhelage und Schluckmuster sind das Herzstück jeder myofunktionellen Therapie. Hier sind Materialien, die dabei helfen.

Übungssammlung Lippenspiele

von Ulrike Martin zu Artikulation, Mundmotorik

Eine Sammlung von Spielen zur Förderung der Lippenkraft und der Lippenbeweglichkeit, auch als Anleitung zu häuslichen Übungen geeignet. Auch wenn es sich eher um spielerische Übungen handelt sind sie vielleicht auch für die Therapie mit Erwachsenen bei Dysarthrophonie geeignet und nicht nur für Kindern mit einer myofunktionelle Störung. Ideen dazu gern in die Rückmeldungen.

Ansehen

Therapiemats von Jule Hanisch, Elena Gätcke

Atmung und Lippenschluss

Mundatmung ist oft Symptom, nicht Ursache – aber sie ist trotzdem ein zentrales Thema in der myofunktionellen Therapie. Materialien die Nasenatmung fördern und Lippenschluss spielerisch aufbauen, gehören in jeden Fundus.

Übungen für den Mundschluss / Lippenschluss und die Nasenatmung

von Theresa Grauschopf zu Mundmotorik, Wahrnehmung

Ein Übersichtsblatt mit Übungen zur Anbahnung des Mundschlusses und der Nasenatmung. Die Übungen sind eine Sammlung aus dem Buch von Furtenbach und Adamer - Myofunktionelle Therapie Kompakt II und sind durch eigene Übungen ergänzt. Das Blatt kann Eltern zur Orientierung mitgegeben werden, soll aber zuvor in der Therapie erklärt und eigene Schwerpunkte gesetzt werden.

Ansehen

Schlucken – das unterschätzte Thema

Das atypische Schluckmuster ist für viele Patientinnen und Patienten der eigentliche Therapieinhalt. Und es ist auch der, der am meisten Ausdauer braucht – von allen Beteiligten. Diese Materialien unterstützen den langen Weg zur neuen Schluckfunktion.

Myofunktionelle Therapie Wochenplan Schlucken

von Marie zu Mundmotorik

Plan zur Übersicht der Fortschritte Das Schlucken kann anhand der Smileys bewertet werden, sodass eine Übersicht am Ende der Woche entsteht.

Ansehen

Infoblatt Zungenruhelage & Schluckmuster – warum üben wichtig ist

von Theralingua zu Artikulation, Mundmotorik

Hier ein Infoblatt, was begleitend zu einer Beratung und Therapie mitgegeben werden kann.

Ansehen

Für die Arbeit mit Kindern

Kinder müssen Spaß haben – das ist keine pädagogische Weichheit, sondern therapeutische Notwendigkeit. Was langweilt, wird zuhause nicht geübt. Was Spaß macht, schon.

Myo Mensch-Ärger-Dich-Nicht (mats+)

von Käthe zu Mundmotorik

Ein Mensch Ärger dich nicht für die myofunktionelle Therapie. - Kussmund - Zunge nach oben/ nach unten - Zungenruhelage - Grinsen/ Zähne zeigen - Wangen aufblasen/ einziehen - Mundwinkel berühren - Nussknacker (Zunge ansaugen und Mund dann öffnen und schließen, dabei ZRL halten) - Hängematte (Zunge an ZRL-Stelle und Zungenrücken locker nach unten hängen lassen)

Ansehen

Therapiemats von Ina Foschum, MarieKristin

Mach' mit!

Melde dich an und schreib eine Rückmeldung.

Top